Man nehme ein Feindbild...

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Was die Webseite evolutionsschwindel.com erst so richtig unsympathisch macht, ist ja nicht, dass sie einen Schöpfergott postuliert. (Wir wollen ja jeden glauben lassen, was ihn glücklich macht.) So richtig unsympathisch ist vielmehr die Unterstellung, böse Mächte würden uns mit der Evolutionstheorie absichtlich an die Irre leiten.

"Die Evolutionstheorie ist nichts als eine uns von den Beherrschern des Weltsystems aufgezwungene Täuschung."

Harun Yahya auf evolutionsschwindel.com

 "Beherrscher des Weltsystems"? Kommt das sonst noch jemandem irgendwie bekannt vor? Richtig! Das sind in den Augen von Harun Yahya die üblichen Verdächtigen: die Juden. Und dass es ihm mit seinem Kampf gegen die zionistische Weltverschwörung durchaus ernst ist, das beweist er auch mit seinem 2005 publizierten Buch, dessen Titel auf Deutsch lautet: «Die Völkermordlüge. Die geheime Geschichte der Zusammenarbeit zwischen Zionisten und Nazis». (siehe Wikipedia).

Irgendwie schade, dass sich Herr Yahya alias Adnan Oktar so ungeschickt selbst disqualifiziert. Da brauch ich ja eigentlich fast gar nichts mehr zu sagen... aber natürlich ist seine Taktik auch irgendwie verständlich. Wer seine Anhänger mobilisieren will, der braucht neben einer Heilslehre eben auch ein gemeinsames Feindbild. Wen würden seine popligen Bücher interessieren, wenn es einfach nur darum ginge, uns arme, verirrte Schäfchen wieder in den Schoss des rechten Glaubens zurückzuholen? Wie könnte er damit in den Herzen seiner Jünger dieselbe Inbrunst entfachen, wie wenn er ihnen zum Ziel setzt, die dunklen, jüdischen Mächte zu bekämpfen, die uns alle an den Kragen wollen, indem sie uns den Darwinismus aufzwingen?

Die eigentlichen Ideologischen Wurzeln des Terrorismus: Darwinismus und Materialismus

Harun Yahya auf evolutionsschwindel.com

Und ich dachte immer, die eigentlichen Ursachen des Terrorismus seien Feindbilder und Bedrohungskulissen.

Der Darwinismus braucht keine Feindbilder, er beschreibt nur ganz neutral die Prinzipien und Gesetzmässigkeiten, nach denen sich das Leben entwickelt. Vor diesen Gesetzen sind wir alle gleich. Ebensowenig arbeiten Vertreter einer materialistischen Weltanschauung mit Feindbildern, im Gegenteil: wenn man realisiert, dass wir allein und verloren sind auf diesem kleinen Planeten, dann müsste uns das doch eher motivieren, ein bischen nett zueinander zu sein.

Das Gesetz von Ursache und Wirkung

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Die Grund-These, die Herr Adnan Oktar alias Harun Yahya auf seiner Webseite evolutionsschwindel.com in ausufernden Texten darlegt, ist kurz zusammengefasst folgende: Die Grundlage des Universums sei nicht Materie, sondern Bewusstsein (oder "Seele" oder "Allah") und die Evolutionstheorie sei falsch, weil sie auf dieser falschen materialistischen Vorstellung basiere.

"Die 'Äußere Welt', die unsere Sinne uns darstellen, ist nichts anderes als die Ganzheit der elektrischen Impulse, die gleichzeitig unser Gehirn erreichen. Unser Gehirn interpretiert zeitlebens diese Impulse, und ohne dies zu erkennen leben wir in der Illusion, dass diese Interpretationen die tatsächlichen Originale der Materie sind, wie sie in der 'Außenwelt' vorhanden seien. (...) Ebenso wie der Körper, den wir in unserem Traum besitzen, und die materielle Welt, die wir in unserem Traum sehen, keine Wirklichkeit haben, haben auch das Universum, in dem wir leben und der Körper, den wir besitzen, keine materielle Wirklichkeit. (...) Das einzige Wesen, das reale absolute Existenz besitzt ist Allah."

Harun Yahya auf evolutionsschwindel.com

Soweit so gut. Es ist ja durchaus möglich, dass nicht Materie, sondern Bewusstsein* die Grundlage des Universums ist. (* egal wie wir es nennen wollen, ob "Gott", "Allah", "Jahwe" oder einfach nur "Bewusstsein"... was wir damit meinen, wird ja ohnehin keinem so ganz klar sein.)
Der auf sympathische Art und Weise durchgeknallte Naturwissenschaftler Amit Goswami legt in seinem Buch Das bewusste Universumsogar dar, warum sich die Paradoxien in der Theorie der Quantenphysik auflösen lassen, wenn man Bewusstsein und nicht Materie als Grundlage des Universums postuliert. Mir war die ganze Sache leider zu hoch, darum kann ich das nicht beurteilen.

Was ich aber ohne weiteres beurteilen kann, ist, ob aus der Annahme, dass Bewusstsein die Grundlage des Universums sei (was nicht abwegig ist, immerhin kenne ich aus meiner subjektiven Erfahrung nichts anderes als Bewusstsein...), zwingend folgt, dass die Evolutionstheorie falsch sein müsse. Und die Antwort ist natürlich: Nein. Und zwar deshalb:

Auch wenn die Grundlage unserer Welt nun Bewusstsein wäre, dann gibt es doch offenbar innerhalb des Bewusstseins gewisse Naturgesetze, an die es sich hält. Denn nur weil die Welt eine Illusion ist, heisst das noch lange nicht, dass alles möglich ist, was man sich vorstellen kann. Die Realität gehorcht erfahrungsgemäss nicht den Gesetzen unserer Fantasie, sondern (unter anderem) dem Gesetz von Ursache und Wirkung ("Karma").

Alles, was im realen Universum existiert, hat seine Gründe. Und Ursache und Wirkung folgen einander gemäss den Naturgesetzen. (Das zu bezweifeln ist zwar reizvoll, aber deswegen aus dem Fenster zu springen, um das Gesetz der Gravitation als Illusion zu entlarven, würde ich dennoch nicht empfehlen.) Ebenso hat das Leben auf der Erde seine Ursachen. Und diese erstaunliche und wunderbare, doch trotz allem naturgesetzmässige Entwicklung vom Ursprung des Lebens bis hin zur Vielfalt, die wir heute (noch) sehen, nennt man: "Evolution". Der "Schöpfer", der Lebewesen das waren die Naturgesetze selbst. Wo auch immer die plötzlich herkamen...

Die Evolutionstheorie behauptet nichts anderes, als dass sich das Leben auf der Erde im Einklang mit den Naturgesetzen entwickelt hat, und dass sich kein Gott über sie hinwegsetzen musste. Ob die Natur aus Materie oder aus Bewusstsein besteht, das kann offen bleiben.

Zufall oder Gott? - Weder noch...

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Wenn man die Lebewesen auf diesem Planeten studiert und die raffinierten Strategien, mit denen ihr Körper und ihr Verhalten an ihre Umgebung angepasst ist, dann kommt man zu Recht zum Schluss, dass all das nicht durch Zufall entstanden sein kann. Doch wenn man aus dieser Erkenntnis den Schluss zieht, dass offenbar ein intelligenter Gott das alles erschaffen haben muss, dann hat man nicht zu Ende gedacht. Wieso?

Erstens: Durch einen "intelligenten Gott" wird die Frage nach dem Ursprung nicht beantwortet. Das Mysterium der Schöpfung wird damit lediglich durch einen neuen Begriff verschleiert und aus der Welt geräumt. Wenn ein Wesen Namens "Gott" das Leben erschaffen haben soll, woher kommt denn dieses unglaublich intelligente Wesen selbst? War es einfach immer schon da? Warum soll dann das Leben nicht genauso immer schon da gewesen sein? Die Entstehung von etwas Unerklärlichem durch etwas noch Unerklärlicheres zu erklären ist gar keine Erklärung.

Zweitens: Die Theorie der Evolution behauptet nicht, die Lebewesen seien zufällig entstanden. Stattdessen ist es die Selektion, welche die Evolution vorantreibt. Der Zufall sorgt nur für immer wieder neue kleine, ziellose Abweichungen bei der Fortpflanzung. Erst die Selektion wählt diejenigen Individuen aus, welche am besten an die jeweiligen Lebensbedingungen angepasst sind. Zufällige Abweichungen, die keine Verbesserung bringen, sterben aus. Und zwar für immer. Alle Lebewesen, die heute noch existieren, sind in den Milliarden von Jahren, seit denen es Leben auf der Erde gibt, kein einziges Mal ausgestorben. Restlos alle unsere Vorfahren hatten das grosse Privileg, dass sie sich fortpflanzen konnten, bevor sie gestorben sind. Die Selektion hat also aus der unvorstellbar grossen Zahl an Möglichkeiten nur jenen winzigen Teil übrig gelassen, der perfekt genug war, um Milliarden Jahre lang zu überleben. Wer da von Zufall redet, hat die Evolutionstheorie nicht verstanden.

Fazit: Ein intelligentes Wesen, das selber höher entwickelt sein muss, als sämtliche Lebewesen auf der Erde, ist keine wirkliche Erklärung für die Entstehung der unvorstellbaren Vielfalt und Komplexität der Lebensformen, die wir heute antreffen. Tatsächlich gibt es ausser der Evolutionstheorie bis heute überhaupt keine andere Erklärung, die beschreiben würde, wie komplexe und perfekt angepasste Organismen aus einfachen Grundformen hervorgehen können.

Wozu brauchen wir also noch die Idee eines Schöpfergottes..?

[TinyUrl zu diesem Posting: http://tinyurl.com/2enyjwd]

Manifest

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Dieser Blog ist meine Reaktion auf die Webseite http://www.evolutionsschwindel.com/.

Grundsätzlich find ich ja, jeder soll glauben, was ihn glücklich macht. Im Gegensatz zu vielen Anhängern einer Religion bin ich der Meinung, dass es keine grosse Rolle spielt, was wir Menschen glauben. Irren ist menschlich. Und zum Glück bleibt die Wahrheit davon unbeeinflusst, ob wir sie kennen oder nicht, geschweige denn davon, ob uns das überhaupt je möglich sein kann oder nicht.

Dennoch glaube ich, es lohnt sich, den Tatsachen auf den Grund zu gehen. Auch wenn sie vielleicht nicht unseren Wünschen entsprechen mögen. Ich glaube, es lohnt sich, die Augen zu öffnen, anstatt sich in religiöse Fantasien zu flüchten. Denn durch eine unvoreingenommene, wissenschaftliche Betrachtung wird das Wunder der Schöpfung nicht etwa entmystifiziert, sondern im Gegenteil umso erstaunlicher. Weil es zu einer realen Tatsache wird, anstatt ein dumpfer Glaube zu bleiben...