Die Grund-These, die Herr Adnan Oktar alias Harun Yahya auf seiner Webseite evolutionsschwindel.com in ausufernden Texten darlegt, ist kurz zusammengefasst folgende: Die Grundlage des Universums sei nicht Materie, sondern Bewusstsein (oder "Seele" oder "Allah") und die Evolutionstheorie sei falsch, weil sie auf dieser falschen materialistischen Vorstellung basiere.
"Die 'Äußere Welt', die unsere Sinne uns darstellen, ist nichts anderes als die Ganzheit der elektrischen Impulse, die gleichzeitig unser Gehirn erreichen. Unser Gehirn interpretiert zeitlebens diese Impulse, und ohne dies zu erkennen leben wir in der Illusion, dass diese Interpretationen die tatsächlichen Originale der Materie sind, wie sie in der 'Außenwelt' vorhanden seien. (...) Ebenso wie der Körper, den wir in unserem Traum besitzen, und die materielle Welt, die wir in unserem Traum sehen, keine Wirklichkeit haben, haben auch das Universum, in dem wir leben und der Körper, den wir besitzen, keine materielle Wirklichkeit. (...) Das einzige Wesen, das reale absolute Existenz besitzt ist Allah."
Harun Yahya auf evolutionsschwindel.com
Soweit so gut. Es ist ja durchaus möglich, dass nicht Materie, sondern Bewusstsein* die Grundlage des Universums ist. (* egal wie wir es nennen wollen, ob "Gott", "Allah", "Jahwe" oder einfach nur "Bewusstsein"... was wir damit meinen, wird ja ohnehin keinem so ganz klar sein.)
Der auf sympathische Art und Weise durchgeknallte Naturwissenschaftler Amit Goswami legt in seinem Buch Das bewusste Universum
sogar dar, warum sich die Paradoxien in der Theorie der Quantenphysik auflösen lassen, wenn man Bewusstsein und nicht Materie als Grundlage des Universums postuliert. Mir war die ganze Sache leider zu hoch, darum kann ich das nicht beurteilen.
Was ich aber ohne weiteres beurteilen kann, ist, ob aus der Annahme, dass Bewusstsein die Grundlage des Universums sei (was nicht abwegig ist, immerhin kenne ich aus meiner subjektiven Erfahrung nichts anderes als Bewusstsein...), zwingend folgt, dass die Evolutionstheorie falsch sein müsse. Und die Antwort ist natürlich: Nein. Und zwar deshalb:
Auch wenn die Grundlage unserer Welt nun Bewusstsein wäre, dann gibt es doch offenbar innerhalb des Bewusstseins gewisse Naturgesetze, an die es sich hält. Denn nur weil die Welt eine Illusion ist, heisst das noch lange nicht, dass alles möglich ist, was man sich vorstellen kann. Die Realität gehorcht erfahrungsgemäss nicht den Gesetzen unserer Fantasie, sondern (unter anderem) dem Gesetz von Ursache und Wirkung ("Karma").
Alles, was im realen Universum existiert, hat seine Gründe. Und Ursache und Wirkung folgen einander gemäss den Naturgesetzen. (Das zu bezweifeln ist zwar reizvoll, aber deswegen aus dem Fenster zu springen, um das Gesetz der Gravitation als Illusion zu entlarven, würde ich dennoch nicht empfehlen.) Ebenso hat das Leben auf der Erde seine Ursachen. Und diese erstaunliche und wunderbare, doch trotz allem naturgesetzmässige Entwicklung vom Ursprung des Lebens bis hin zur Vielfalt, die wir heute (noch) sehen, nennt man: "Evolution". Der "Schöpfer", der Lebewesen das waren die Naturgesetze selbst. Wo auch immer die plötzlich herkamen...
Die Evolutionstheorie behauptet nichts anderes, als dass sich das Leben auf der Erde im Einklang mit den Naturgesetzen entwickelt hat, und dass sich kein Gott über sie hinwegsetzen musste. Ob die Natur aus Materie oder aus Bewusstsein besteht, das kann offen bleiben.
[Posting inspiriert von: DIE WAHRE ESSENZ DER MATERIE auf evolutionsschwindel.com]

2 Kommentare:
Irgendwie scheint mir da auch folgende Idee dahinter zu stecken: Weil wir nicht die "Welt an sich" wahrnehmen, sondern nur die Interpretation unseres Gehirns derselben, ist die "Welt an sich" nur eine Illusion. Was natürlich ziemlich albern ist, wie auch das Beispiel mit dem Fenster zeigt.
Ja, genau das ist die Argumentation von Harun Yahya.
Dass die Welt, die wir erleben, eine Illusion ist, das ist natürlich schon eine interessante Überlegung, da wir tatsächlich immer nur unsere subjektive Sicht haben... Das Problem ist nur, dass sich seine Argumentation irgendwie in Luft auflöst, da das Gehirn, von dem er ausgeht, selber ein Teil dieser Welt ist, welche der Argumentation zufolge nicht existiert...
Hmm... wenn man zu lange darüber nachdenkt, dann wird einem irgendwie schwindlig... und dass da nichts Gutes dabei herauskommt, das sieht man ja auf evolutionsschwindel.com. :o)
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